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By Lukas Westholt •

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- 2 min Lesezeit

Macht KI-Assistenz Open-Source-Code messbar schlechter?


Seit 2022 sind KI-Coding-Assistenten wie GitHub Copilot, Cursor und Claude Code fester Teil der Open-Source-Entwicklung. Dass sie schneller machen, ist gut belegt. Ob der Code dadurch schlechter (oder besser) wird, ist es nicht. Genau diese Lücke habe ich in meiner Seminararbeit an der Universität Leipzig untersucht.

Der Aufbau

Ich habe 272 Repositories, die nachweislich einen KI-Assistenten eingesetzt haben, mit 299 Kontroll-Repositories ohne solches Signal verglichen. Das Adoptionssignal stammt aus einer dreistufigen Hierarchie: Konfigurationsdateien wie CLAUDE.md (stark), KI-Co-Authorship in Commit-Trailern (mittel) und Schlüsselwörter in Commit-Nachrichten (schwach, nur als Sensitivitätsanalyse). Insgesamt deckt die Hierarchie 17 Assistenten ab.

Weil jedes Projekt seinen eigenen Adoptionszeitpunkt bekommt, konnte ich pro Repository vier Snapshots ziehen (rund ein halbes Jahr vor und nach dem Signal) und daraus eine gestaffelte Interrupted Time Series mit Difference-in-Differences gegen die Kontrollgruppe rechnen. Pro Snapshot habe ich 15 statische Qualitätsmetriken gemessen, von zyklomatischer Komplexität über Lint-Warnungen bis zur Testdichte.

Das Ergebnis

Für die beiden Kernfragen gibt es keinen nachweisbaren Effekt. Die Difference-in-Differences für die durchschnittliche zyklomatische Komplexität liegt bei -0,04 (95%-Konfidenzintervall [-0,13, 0,04]), für den Anteil der Bugfix-Commits bei 0,03 ([-0,02, 0,09]). Beide Intervalle schließen die Null ein, und es gibt keine Variation nach Sprache (Python vs. TypeScript) oder Aktivitätsniveau.

Interessanter sind die explorativen Befunde. Adoptierende Projekte testen und dokumentieren etwas mehr: Testdichte, Testanzahl und (in Python) die Docstring-Abdeckung steigen, die Parameter pro Funktion sinken leicht. Alle Effektstärken bleiben aber klein (größtes Cliff’s Delta 0,27). Und bei mehreren dieser Metriken liefen die beiden Gruppen schon vor der Adoption auseinander. Ich lese sie deshalb als hypothesengenerierend, nicht als Beleg.

Ein scheinbarer Ausreißer: die maximale Komplexität steigt deutlich. Das ist aber eine Ordnungsstatistik, die mit der Codebasis mitwächst. Der normalisierte Anteil komplexer Funktionen bleibt unverändert, also steckt dahinter Wachstum, keine echte Verkomplizierung.

Was ich mitnehme

KI-Assistenz macht Open-Source-Code in den messbaren statischen Metriken weder klar besser noch schlechter. Das ist ein unspektakuläres, aber ehrliches Ergebnis. Die größte Schwäche bleibt die unscharfe Behandlungsgrenze: Ich messe, ab wann ein Projekt KI-Nutzung sichtbar macht, nicht ab wann es sie wirklich nutzt. Der nächste Schritt wäre, von der Projektebene auf die einzelnen KI-zugeschriebenen Änderungen herunterzugehen.


Die vollständige Seminararbeit gibt es hier als PDF: Westholt-PARSE-prompt-engineering-final.pdf